Interdisziplinäre Forschung zu Risiken großtechnischer Eingriffe in das globale Klimasystem

31.05.2012

DFG fördert Schwerpunktprogramm zu Climate Engineering: Wissenschaftler des Instituts für Politische Wissenschaft der RWTH Aachen sind an erfolgreicher Antragstellung beteiligt.

 

Dass der globale Klimawandel bedrohliche Folgen für Mensch und Natur haben kann, ist in der Wissenschaft wie in der Öffentlichkeit nahezu unumstritten. Strategien zur Bewältigung des Klimawandels, die auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen setzen, erwiesen sich bislang jedoch als wenig erfolgreich. Neue, großtechnische Verfahren versprechen mögliche Abhilfe, indem etwa die Erde von Sonneneinstrahlung partiell „abgeschirmt“ oder CO2 aus der Atmosphäre „abgezogen“ beziehungsweise bei der Emission „verklappt“ wird.

Die mit solchen Verfahren des so genannten Climate Engineering oder Climate Geoengineering einhergehenden Risiken, Herausforderungen und Chancen im Umgang mit dem globalen Klimawandel bringen einen hohen Forschungsbedarf in naturwissenschaftlicher und technischer, ökologischer und ökonomischer, politischer, rechtlicher und ethischer Hinsicht mit sich.

Um den Forschungsbedarf zu diesem hochaktuellen und hochbrisanten Problemzusammenhang aus verschiedenen Perspektiven anzugehen, bewilligte der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Anfang Mai das Schwerpunktprogramm „Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?“ (SPP 1689). Die voraussichtliche Laufzeit beträgt sechs Jahre. Prof. Dr. Daniel Barben, der die vom VDI geförderte Professur und den gleichnamigen Lehrstuhl für Zukunftsforschung am Institut für Politische Wissenschaft der RWTH Aachen inne hat, trug maßgeblich zum Erfolg dieses Antrags bei. Er ist Mitglied einer Kerngruppe von 19 Antragstellern aus ganz Deutschland. Barben wird in dieses Programm seine Expertise in der Wissenschafts- und Technikforschung sowie in der Zukunftsforschung einbringen. Koordinator ist Prof. Dr. Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Die Wissenschaftler werden Fragen zu den vielfältigen Unsicherheiten von Climate Engineering in einer international einmaligen fachlichen Breite untersuchen. Damit soll eine wissenschaftlich belastbare Basis für eine differenzierte Bewertung möglicher Vor- und Nachteile geschaffen werden. Der Einbindung der Öffentlichkeit kommt große Bedeutung zu. Bereits seit September 2011 betreiben deshalb das Kiel Earth Institute und das Marsilius Kolleg der Universität Heidelberg das Internetportal Climate Engineering. Dieses wird von Nils Matzner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am RWTH-Lehrstuhl, gepflegt und mit täglich aktuellen Nachrichten und Informationen zu Climate Engineering versehen. Damit und mit dem Internetportal des Schwerpunktprogramms will man der Debatte mehr Transparenz verleihen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft stellt auf ihren Webseiten weitere Informationen zum Schwerpunktprogramm Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities? zur Verfügung. Anträge für die erste Förderperiode können bis zum 30. September 2012 eingereicht werden.