Nachwuchshistorikerin der RWTH gewinnt Wettbewerb

17.10.2012

Auf dem 49. Deutschen Historikertag 2012 in Mainz gewann Anne Günther, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der RWTH, im Rahmen des „Doktorandenforums“ mit einem Plakat zu ihrer Promotion den ersten Platz des Posterwettbewerbs.

  Nachwuchshistorikerin der RWTH gewinnt Wettbewerb Urheberrecht: RWTH Anne Günther, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der RWTH, belegte den ersten Platz des Posterwettbewerbs beim 49. Deutschen Historikertag.

Ausschlaggebend für den Preis sind, so der Ausschreibungstext, „die Qualität des Dissertationsprojekts sowie die inhaltliche und optische Gestaltung des Posters“. Anne Günther promoviert zum Contergan-Skandal in den 1960er Jahren. Bei der Gestaltung des Posters bekam sie Unterstützung von Anja Rauenbusch, Studentin im Fachbereich Design der FH Aachen. Beide entschieden sich bewusst gegen Fotos mit den so genannten „Contergan-Kindern“ – schließlich will die Arbeit das Thema nicht erneut skandalisieren, sondern einen untersuchenden Blick auf Politik und Medien sowie Medizin und Gesellschaft in den so genannten „langen 1960er Jahren“ werfen.

Anhand von Presseerzeugnissen, interner behördlicher Korrespondenz, medizinischen Veröffentlichungen und Prozessakten untersucht sie, wie die Nebenwirkungen des Schlaf- und Beruhigungsmittels Contergan – massive Fehlbildungen von Gliedmaßen bei Neugeborenen – bekannt wurden und mit welchen Begriffen der Skandal in der Öffentlichkeit verhandelt wurde. Das Thema „Behinderung“ wurde erstmals in diesem Umfang in der Bundesrepublik diskutiert, so dass neue Begriffe nötig waren und sich bei alten ein semantischer Wandel vollzog. Grundlegende Fragen, die von Experten und Laien gestellt wurden, drehten sich um die (Un-)Möglichkeit eines solchen Technik- und Wissenschaftsversagens. In der konfliktsuchenden Medienlandschaft spiegelt sich insgesamt die zunehmende politische und gesellschaftliche Skandalisierung der jungen Bundesrepublik, in der Politik und Medien immer weniger getrennt voneinander gedacht werden konnten.

Der Deutsche Historikertag findet alle zwei Jahre statt und ist einer der größten geisteswissenschaftliche Kongresse in Europa. Es gibt 65 wissenschaftliche Sektionen, in denen neueste Erkenntnisse aus allen Epochen und Teildisziplinen der Geschichtswissenschaften verhandelt werden. Das Doktorandenforum bietet Promovierenden die Möglichkeit, ihre Projekte zu präsentieren. Anne Günther hat die Poster-Jury mit ihrem Projekt in der Vorauswahl und schließlich unter den 44 Nachwuchswissenschaftlern vor Ort, die aus Deutschland, dem europäischen Ausland und Amerika kamen, am stärksten überzeugt.

 

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