RWTH lädt zum HumTec-Day ein

20.03.2015

Handbewegungen im Haushalt helfen, Computer der Zukunft zu entwickeln.

 

Äpfel schneiden oder Krümel entfernen sind selbstverständliche Tätigkeiten. Doch diese Handbewegungen können als Orientierungsmuster dienen, wenn es darum geht, gestenbasierte Computer der Zukunft zu entwickeln. „Tastaturbefehle wie `cut´ oder `erase´ können durch alltagsvertraute Gesten vor dem Monitor ersetzt werden“, erläutert Professorin Dr. Irene Mittelberg das Szenario. Die Juniorprofessorin für Sprachwissenschaft und kognitive Semiotik an der Philosophischen Fakultät leitet das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Natural Media“ im Rahmen von HumTec.

Vernetzung von Geistes- und Naturwissenschaften

HumTec ist ein so genanntes Projekthaus an der RWTH Aachen. Hier forschen Geistes- und Sozialwissenschaftler eng vernetzt mit Ingenieuren und Naturwissenschaftlern interdisziplinär an gesellschaftlich hochrelevanten Themen.

  • Wie müssen Stadtentwicklungen und Verkehrskonzepte aussehen, um den Bedürfnissen einer wachsenden Gruppe älterer Menschen gerecht zu werden?
  • Wie werden wir künftig heizen und reisen, ohne die Ressourcen unseres Planeten auszubeuten?
  • Welche Entwicklungen erleichtern das Arbeitsleben?

Zu letzterem gehört auch der Aspekt, wie Menschen mit technischen Geräten kommunizieren werden. Das Projekt „Natural Media“ untersucht zum Beispiel, wie Menschen unter Einsatz verschiedener Medien intuitiv kommunizieren. „Unter Natural Media verstehen wir alle natürlichen Kommunikationsmittel, die wir mit uns herumtragen“, so Mittelberg. „Dazu gehören die Sprache, unsere Gestik, unsere Körperbewegungen und unser Blickverhalten.“

In den letzten Jahrzehnten lag der Fokus vor allem auf sprachbasierten Entwicklungen. Doch Gesten spielen in vielen Mensch-Maschine-Interaktionen eine immer größere Rolle. Mittelberg und ihr interdisziplinäres Team aus Linguisten, Psychologen, Neurowissenschaftlern und Informatikern betrachten in ihrem innovativen Gesten-Labor menschliche Arm-, Hand- oder Kopfbewegungen. Ein optisches Bewegungserfassungssystem („Motion Capture System“) zeichnet diese mit Hilfe von vierzehn Infrarotkameras millimeter- und millisekundengenau im dreidimensionalen Raum auf. Die Daten werden anschließend mathematisch analysiert, um Muster von Bewegungstypen und Raumnutzung zu erkennen. Diese Ergebnisse fließen in die Entwicklung von gestenbasierten Kommunikationsanwendungen sowie von klinischen Therapien ein.

Interdisziplinäres Projekthaus HumTec weitet Forschungsperspektive

„Das Projekthaus HumTec wurde im Rahmen der Ausschreibung zur ersten Exzellenzrunde 2008 an der RWTH gegründet und ist seitdem ein fester Bestandteil der interdisziplinären Spitzenforschung der Hochschule“ berichtet Professor Dr. Michael Vorländer. Der Lehrstuhlinhaber für Technische Akustik und Sprecher des HumTec-Direktoriums weist auf die vielen Aktivitäten hin, die sich aufgrund der hohen gesellschaftlichen Relevanz nachhaltig und auch finanziell über die zweite Exzellenzphase hinaus in der Philosophischen Fakultät verstetigt haben.

Dazu gehört auch das Projekt „Urban Future Outline“, kurz UFO. Hier arbeiten Mediziner, Soziologen, Sprach- und Naturwissenschaftlicher, Ingenieure und weitere Experten gemeinsam in vier großen Teilprojekten.

U-Turn beschäftigt sich mit der „urbanen Wende“ und erforscht, wie Lebensqualität in Stadtquartieren bei sich ändernden Bewohnerbedürfnissen gesichert werden kann. In „FuEne“ wird eine Roadmap zur nachhaltigen und umweltgerechten Energiewende erstellt, während „FuEco“ Lärm, Hitzestress und Feinstaub in Modellstädten analysiert, um erfolgversprechende prophylaktische Maßnahmen zu entwickeln. Hier spielen auch neue Mobilitätskonzepte eine Rolle, die im Mittelpunkt von „FuMob“ stehen. Auch hier sind die Techniker auf die Zusammenarbeit mit Medizinern oder Geistes- und Sozialwissenschaftlern angewiesen. „Technische Lösungen für neue Stadtquartiere und Verkehrskonzepte - zum Beispiel in einer alternden Gesellschaft - sind nur dann erfolgversprechend, wenn die Bedürfnisse dieser Personengruppe erkannt und berücksichtigt werden“, betont Vorländer.