Deutsch-chinesisches Team präsentiert Krebsdiagnostik in neuer Präzision

14.04.2015

Das digitale Bildanalysesystem MotiCyte-auto erkennt automatisch Tumorzellen und ihre Bösartigkeit.

 

MotiCyte-auto bietet digitale Krebsdiagnostik mit bislang einmaliger Präzision und wird in diesem Jahr erstmals auf der Hannover Messe präsentiert. Das Bildanalysesystem ist die weltweit erste Maschine, die spezifisch Krebszellen vielerlei Herkunft an ihren Kernen erkennen kann. Entwickelt wurde das digitale Bildanalysesystem vom Lehrstuhl für Bildverarbeitung der RWTH Aachen, dem Institut für Pathologie des Krankenhauses Düren und dem chinesischen Mikroskophersteller Motic.

Tumoren sind umso bösartiger, je größer das chromosomale Chaos in ihren Zellen ist. MotiCyte analysiert deshalb die Struktur von Zellkernen und misst die Menge der jeweils enthaltenen Erbsubstanz DNA. Mithilfe dieser Multimodalen Karyometrie ist es möglich, automatisch Krebszellen und ihre Bösartigkeit zu erkennen. Die Maschine ordnet die Kerne verschiedenen Zelltypen zu, wofür sie von erfahrenen Pathologen mit Hilfe eines diagnostischen Goldstandards trainiert wurde. Zellkerne, die auf einen Tumor hindeuten, werden dem Arzt zur weiteren Kontrolle auf einem Bildschirm präsentiert.

Abstrich statt Eingriff

Mithilfe von MotiCyte lässt sich ein Krebsverdacht in vielen Körperregionen abklären. Ein chirurgischer Eingriff ist dabei oft nicht nötig, stattdessen genügt ein harmloser Abstrich – etwa von der Mundschleimhaut, den Bronchien, den Gallengängen oder dem Muttermund. Studien zeigen, dass sich dadurch die diagnostische Treffsicherheit deutlich steigern lässt. So erkannte MotiCyte in einer Studie mit 114 Körperhöhlen-Ergüssen alle 54, die Krebszellen enthielten – eine Sensitivität von 100 Prozent.

MotiCyte kann zudem zur aktiven Überwachung von Prostatakarzinomen genutzt werden, um eine oft mit Komplikationen verbundene Operation zu vermeiden. Die weitere Entwicklung eines Tumors (Progress) lässt sich dabei um ein Zehnfaches besser vorhersagen als wenn dieser nur am Mikroskop mithilfe des so genannten Gleason-Scores bewertet wird.

Schnellere Vermessung möglich

Der bislang übliche Zeitaufwand bei der mikroskopischen Vermessung von Zellen wird durch MotiCyte deutlich verkürzt. Durch die Automatisierung des Messablaufes braucht eine Fachkraft für eine Messung im Durchschnitt nur noch zehn Minuten, bislang dauerte dies eine Stunde. Hierbei baut das System auf der seit langem anerkannten und praktizierten Methode der DNA-Zytometrie auf, mit der auch Grundlagenforschung betrieben wird: Ähnlich wie die Zytogenetik untersucht die DNA-Zytometrie, welche Rolle Änderungen des Genoms bei der Entstehung und Entwicklung von Krebs spielen.

MotiCyte-auto wird am 15. und 16.4.2015 auf der Hannover Messe präsentiert, Halle 2, tech-transfer – Gateway2Innovation, Standnummer C09.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Alfred Böcking
Mobil: +49 (0)172-28 28 827