RWTH will Impfbereitschaft fördern

24.11.2015

Mit einer Summe in Höhe von rund 397.000 Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein gemeinsames Projekt der RWTH Aachen und der Universität Erfurt zur Impfmüdigkeit. Im Fokus der Forschung stehen der Versuch einer Erklärung dieses Phänomens sowie potentielle Mechanismen zu deren Reduktion. Die Förderung wurde für drei Jahre beschlossen.

 

In dem Projekt arbeiten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Sozial- und Gesundheitspsychologie, Verhaltensökonomie und Theoretischen Physik interdisziplinär zusammen. Darunter auch die Antragsteller Juniorprofessor Dr. Robert Böhm von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der RWTH und Diplom-Psychologin PD Dr. Cornelia Betsch von der Universität Erfurt.

Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten durch Impfungen ist ein zentrales gesellschaftliches Anliegen. Impfungen sichern die Gesundheit des Einzelnen und die der gesamten Bevölkerung. Dennoch wurde Deutschland von der WHO als Land mit besonders hoher Impfmüdigkeit ausgewiesen. Nationale und internationale Gesundheitsorganisationen befassen sich fortwährend mit der Frage, wie dies erklärt werden kann. Besonders, da die Ansteckung mit schwerwiegenden Infektionen den vergleichsweise harmlosen und unwahrscheinlichen Impfnebenwirkungen gegenübersteht. Schutzimpfungen sind als Gesundheitsprävention strategisch sinnvoll. Deshalb wird als Ursache für deren Vermeidung bislang eine verzerrte Risikowahrnehmung vermutet. Dadurch, dass Impfungen die Übertragung von Krankheiten reduzieren, wird die Impfentscheidung zum strategischen Handeln. Denn der individuelle Nutzen der eigenen Impfentscheidung ist auch von den Impfentscheidungen anderer Personen abhängig. Unter bestimmten Bedingungen entsteht daraus ein soziales Dilemma, in dem das Impfen individuell nicht rational, aber kollektiv sinnvoll ist. Nichtimpfen kann somit auch eine Folge individuell rationalen Verhaltens sein.

Die Forscherinnen und Forscher wollen Wege zu Maßnahmen aufzeigen, mit denen die Impfbereitschaft erhöht und somit Infektionskrankheiten dezimiert werden können. Langfristig sollen Gestaltungsrichtlinien für medizinische Online-Angebote und Informationskampagnen erarbeitet werden.

Redaktion: Presse und Kommunikation