Die Gewinner des "ICT Young Researcher Award" 2017

03.11.2017
  Sebastian Junges und Miguel Anguilar mit Urkunde Urheberrecht: ICT

Erstmalig wurden junge Forscher der RWTH mit dem "ICT Young Researcher Award" ausgezeichnet. Ziel des Awards ist es jährlich relevante Forschung von Bachelor, Master und Ph.D. Studenten im Profilbereich "Information und Kommunikationstechnik" (ICT) zu unterstützen. Die vier Preisträger sind Sebastian Junges, Andrea Bönsch, Martin Henze und Miguel Aguilar. Im Folgenden geben wir einen Überblick über ihre Beiträge:

Sebastian Junges

Im Hinblick auf die zunehmende Automatisierung in der Produktion und im autonomen Fahren besteht eine Abhängigkeit der zuständigen Systeme von ihrer physischen Umgebung. Sogenannte " Probabilistic Model Checker" sollen diese Systeme prüfen, um eine geringe Wahrscheinlichkeit zu garantieren, dass diese in einen ungewollten, potenziell gefährlichen Zustand geraten.

Sebastian Junges sieht in der Anwendung von Probabalistic Model Checker zwei Problematiken. Die industriellen Modelle sind oft zu groß um von ihnen geprüft zu werden. Hinzu kommt, dass Probabilistic Model Checker ihre Eingabe als totale Wahrheit betrachten, während es sich eher um Annäherungen handeln. Junges Forschung hofft die Größe der Modelle und die einhergehenden Unsicherheiten zu bewältigen. Seine Beiträge bezüglich dieser Problematiken umfassen die Erstellung von Algorithmen für die Analyse und die Durchführung von Fallstudien und Fehlerbaumanalysen. Zudem entwickelt er aktiv an dem Probabilistic Model Checker storm.

Andrea Bönsch

Für Ihre Doktorarbeit forscht Andrea Bönsch im Bereich Virtuelle Realität und dem Einsatz von virtuellen Agenten (VAs) im ICT-Bereich. VAs sind computergesteuerte Charaktere, die menschliche Interaktionen möglichst realistisch nachstellen sollen. Um von Nutzern als authentisch wahrgenommen zu werden, müssen VAs diverse Bereiche der menschlichen Kommunikation und Verhaltensweisen imitieren.

Bönschs Forschungsschwerpunkt liegt hierbei auf die Distanz bei verbaler und nonverbaler Kommunikation zwischen einem einzelnen VA und dem Nutzer sowie zwischen einer Gruppe von VAs und dem Nutzer. Anhand diverser Verhaltensstudien fand Bönsch unter anderem heraus, dass eine Bewusstseinszone um den VA benötigt wird. Sobald ein Nutzer diese Zone betritt reagiert der VA auf seine Präsenz und interagiert mit dem Nutzer durch gegenseitigen Blick und Erhaltung des persönlichen Bereichs. Darüber hinaus entwickelte und publizierte Bönsch eine theoretische Herangehensweise, um potenzielle Interaktionspartner in einer virtuellen Menge durch eine Annäherungszone automatisch zu identifizieren.

Ihr nächstes Forschungsprojekt "Social VR: Influence of Directivity of Speech and Coverbal Gestures on the Perception of Conversational Virtual Humans in Immersive Virtual Environments" wurde bereits vom ICT-Projekthaus akzeptiert.

Martin Henze

Im ICT-Bereich besteht immer noch die Herausforderung, die Sicherheit und Privatsphäre diverser Akteure im Cloud-Computing zu garantieren. Mit seinen Forschungsarbeiten entwickelt Martin Henze technische Mittel um Sicherheits- und Privatsphäre-Bedenken in Kommunikationssystemen aufzudecken, zu beheben und von Vornherein zu verhindern.

Im Rahmen seiner Doktorarbeit arbeitet Henze an einem umfassenden Ansatz zur Sicherheit im Cloud-Computing. Dafür entwickelt er für jeden relevanten Akteur entsprechende Mittel um deren Privatsphäre zu schützen. Henze unterstützte und initiierte bereits einige Forschungsprojekte innerhalb und außerhalb der RWTH Aachen. Zudem ist er Leiter der Security and Privacy Group bei der "Communication and Distributed Systems (COMSYS)".

Miguel Aguilar

Für seine Doktorarbeit am "Institute for Communication Technologies and Embedded Systems" (ICE) an der RWTH Aachen, beschäftigt sich Miguel Aguilar mit modernen Informations- und Kommunikationssystemen. Sie bilden wichtige Hilfsmittel in unserem alltäglichen Leben, beispielsweise in der Form von mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets. Dies wird durch sogenannte "Multicore Hardware Platforms" ermöglicht, welche den aktuellen Ansprüchen des Informations- und Kommunikations-Marktes entsprechen. Die Ansprüche sind unter Anderem hohe Leistung bei niedrigem Energieverbrauch und geringen Kosten.

Um das gesamte Potenzial dieser Multicore Hardware Platforms zu nutzen, muss die entsprechende Software parallelisiert werden und über die Cores innerhalb des gesamten Systems verteilt werden. Dies ist eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe für Entwickler. Aktuelle Verfahren verlassen sich auf manuelle Parallelisierung, welches häufig ein fehleranfälliger und langsamer Prozess ist. Aguilars Forschungsschwerpunkt liegt in der Automatisierung dieser bisher manuellen Schritte, um die Software zu parallelisieren. Seine bisherige Forschung ist beispielhaft für einen erfolgreichen Technologietransfer in die Industrie.